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  • Philip Söhngen

Wo sind all die Häuser hin?

"Unbezahlbar" titelt der Spiegel im Mai mit einem großen Leitartikel über die Wohnungsnot in deutschen Landen. Fast jedes Printmedium schlägt in die gleiche Kerbe: es wird zu wenig gebaut, Bauen ist zu teuer geworden, die Nebenkosten sind zu hoch, selbst für Besserverdiener gibt es kaum noch Möglichkeiten, den Traum vom Eigenheim zu bezahlen. Gleichzeitig tönt es von allen Seiten, dass wir uns in einer Blase befinden, die zu platzen droht. Auch die Schuldigen sind schnell ausgemacht, nämlich in unterschiedlicher Gewichtung fast alle Beteiligten der Branche: Investoren, Bauunternehmen, die Finanzämter, die Bauämter, die Kommunen, die Makler, die Handwerker und natürlich Spekulanten aller Art.


Auf einen aus meiner Sicht wesentlichen Faktor insbesondere bei Häusern wird hingegen so gut wie gar nicht geschaut: viele Häuser sind Ihren Bewohnern längst zu groß geworden, werden aber trotzdem nicht verkauft. Die Kinder sind aus dem Haus, die Feste werden jedes Jahr kleiner, der grüne Daumen verblasst nach und nach und der Garten macht mehr Mühe als Freude, trotzdem bleiben gerade ältere Menschen immer länger in Ihren Häusern wohnen.


Die Gründe hierfür sind vielschichtig, es gibt jedoch bisher kaum Anreize, etwas daran zu ändern. Hat man erst einmal zwei bis drei Jahrzehnte (oder noch länger) in einem Haus gelebt, ist dieses üblicherweise fast oder vollständig abbezahlt, der finanzielle Druck ist also nicht vorhanden. Dafür hat sich man ein soziales Umfeld aufgebaut, kennt die Restaurants, Ärzte und Apotheker, ist in Sport- und Kulturvereinen aktiv und hat es sich üblicherweise insgesamt gut eingerichtet. Auch geht mit dem Erhalt des Hauses oft die Hoffnung der Eltern einher, eines der Kinder werde es irgendwann übernehmen.


Über diese ganzen nachvollziehbaren Beweggründe wird dann häufig der „richtige“ Zeitpunkt zum Verkauf verpasst. Allein die Vorstellung, umziehen zu müssen, wird mit fortschreitendem Alter als große Belastung wahrgenommen, die Immobiliensuche ist heute zudem wesentlich schnelllebiger als noch vor wenigen Jahren. Durch den starken Anstieg der Preise in den Großstädten bleibt darüber hinaus oft das Gefühl zurück, sich ohne finanziellen Vorteil verkleinern zu müssen. Was also ist zu tun?


Wichtig wäre an erster Stelle, den Bewohnern dieser Häuser echte Alternativen anzubieten: komfortable und gleichzeitig altersgerechte Wohnungen in der Nähe ihrer bisherigen Häuser, die ausschließlich oder wenigstens überwiegend an diese Zielgruppe verkauft werden. Denn sonst freut sich auch der alleinstehende Mittvierziger über einen stufenlosen Zugang von der Tiefgarage bis in die Wohnung und breite Türen, entsprechend hoch wäre der Konkurrenzdruck.


Manchen fällt jedoch selbst dann dieser Schritt zu schwer. Doch auch hier gibt es Abhilfe. So existieren vergleichsweise einfach umsetzbare Konzepte um größere Häuser so umzubauen, dass die ursprünglichen Bewohner dort verbleiben können und sich das Haus beispielsweise mit einer jungen Familie teilen. Ein solches Konzept kann eine ganze Reihe von Vorteilen haben, muss nur entsprechend vorbereitet und begleitet werden. Auch sind entsprechend formulierte Rückkaufoptionen oder Vorkaufsrechte eine Möglichkeit, den eigenen Kindern und Enkelkindern bis zu einem gewissen Grad den Zugriff auf die Immobilie zu erhalten.


Wenig hilfreich hingegen, dafür leider en vogue, sind medial stark beworbene Modelle wie Teilverkauf oder Immobilienverrentung, die zwar im Grunde gut gemeint sind, aber objektiv vor allem den Interessen der jeweiligen Anbieter dienen und darüber hinaus dafür sorgen, dass Objekte noch länger bewohnt werden als es ohnehin schon der Fall ist.


Wir beraten unsere Kunden gerne und ausführlich zu allen Alternativen und finden gemeinsam die optimale Lösung für ihre Lebenssituation.



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