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  • Philip Söhngen

Corona und das neue Gesetz zur Provisionsteilung

Aktualisiert: 6. Apr. 2021

Nachdem vor einigen Jahren schon die Regelungen zur Provision bei Mietwohnungen angepasst wurden, hat sich die Politik nun auch dem Verkauf von Wohneigentum gewidmet. Herausgekommen ist dabei das „Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser“. Kurz gefasst muss der Verkäufer seit dem 23. Dezember 2020 mindestens die Hälfte der Gesamtprovision bezahlen und der Käufer seinen Anteil auch nur dann, wenn er einen schriftlichen Vertrag mit dem Makler abgeschlossen hat.


Da zumindest in unseren Breitengraden Käuferprovisionen von mehr als 3,57% inklusive Mehrwertsteuer ohnehin eher unüblich waren, wird sich für die meisten Käufer nicht viel ändern. Neu ist daher vor allem das Mehr an Bürokratie und „Papierkram“, da zukünftig die Provisionsaufteilung schriftlich vom Käufer bestätigt werden muss. In den wenigen Städten wie beispielsweise Hamburg, in denen die Käufer Provisionen bis zu 7,14% inklusive Mehrwertsteuer zahlen mussten, werden diese natürlich aufatmen. Doch der Effekt dürfte bestenfalls auf dem Papier zu spüren sein und die Gesamtkosten des Kaufs nicht signifikant beeinflussen.


Leider wird von Seiten der Politik mit solchen Gesetzen nach wie vor der Eindruck vermittelt, die Makler seien (Mit-)Schuld an der Wohnungsnot und den hohen Kaufpreisen. Dabei haben die Städte selbst jahrelang den steigenden Bedarf ignoriert und weder das Umland und dessen Anbindung einbezogen noch selbst für ausreichend Wohnraum gesorgt. Es liegt in der Natur der Baubranche, frühestens mit 3-5 Jahren Verzögerung auf aktuelle Geschehnisse reagieren zu können, entsprechend weitsichtig müssten daher die Verantwortlichen in den Städten agieren.


Die Corona-Pandemie bietet hier einige Chancen zur Trendwende, da viele der Unternehmen mit Sitz in Innenstädten im Dienstleistungssektor tätig sind und daher in großem Umfang Home-Office ermöglichen können. Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen, Finanzdienstleister, Architekten und viele andere werden bei entsprechender Planung zukünftig wesentlich weniger Bürofläche benötigen, was man schon jetzt deutlich auf dem Büroimmobilienmarkt spürt. Wenn die Städte nun bei entsprechend geeigneten Immobilien eine zügige Umwandlung ermöglichen, kann schnell neuer Wohnraum geschaffen werden, der die vorhandene Infrastruktur nutzt, ohne das zusätzliche Flächen versiegelt werden müssen.


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